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Was hat die Weihnachts-Krippe mit Salatschalen zu tun?

Keramikfiguren zu Weihnachten

Wer kennt sie nicht: die kleinen Keramik-Figuren, die zur Weihnachtszeit aus den Untiefen der Kellerschränke hervorgezaubert werden? Von einem Tag zum anderen ist der Wohnzimmertisch reserviert für die Weihnachts-Geschichte en miniature. Nicht nur Josef, Maria und das Christkind tummeln sich dort, sondern auch Ochs und Esel, die Schäfer mit ihrer Herde, die Engel und die heiligen drei Könige.

Früher wurden sie zuhause jedes Jahr hervorgeholt

Ich gehöre zu den Glückskindern, die mit so einer Krippe aufgewachsen sind. Meine Mutter hat sie Jahr für Jahr aus einer großen Kiste befreit, in der die Figuren, in schützendem Zeitungspapier eingewickelt, aufbewahrt waren. Liebevoll und vorsichtig wurden sie ausgepackt und auf dem Tisch, auf einem hübschen Tuch, so angeordnet, dass die kleine Szene schön anzusehen war und einen Sinn ergab.

Das Aufbauen ist nicht einfach

Wenn ich Glück hatte und artig gewesen war (was selten der Fall war), durfte ich helfen. Das war gar nicht so einfach, denn es gab auch viele Figuren, deren Geschichte mir nicht bekannt oder ein wenig unklar war. Dazu gehörte zum Beispiel ein kleiner Brunnen. Natürlich stellte ich daneben die Frau mit dem Kopftuch, in dem wallenden Kleid, die in einer Hand ein Gefäß hielt, das einem Eimer ähnelte. Und weil da, wo Wasser ist, Pflanzen wachsen, kam die Palme, die ich ganz besonders liebte, direkt daneben.

Die Figuren erzählen Geschichten

Und während ich die Mini-Protagonisten virtuos hin und her schob und die Ordnung meiner Mutter immer wieder durcheinander brachte, beobachtete ich fasziniert, wie sich dadurch neue Zusammenhänge bildeten und meine Fantasie kam aus dem Routieren gar nicht mehr heraus. Hätte ich damals schon schreiben können, wäre wohl für jede Figur ein kleines Buch entstanden.

Das unantastbare Zentrum der Szene

Das Zentrum des Arrangements blieb aber, wenn es einmal seinen Platz gefunden hatte, von mir unberührt. Denn links und rechts vom Christkind mussten Josef und Maria stehen, da gab es nichts zu rütteln. Auch der Engel hinter ihnen, mit seinen beeindruckend ausgebreiteten Flügeln, hatte seinen festen Platz. Ochs und Esel flankierten das heilige Paar oder standen gemeinsam an einer Seite. Und die drei Könige mussten unbedingt hintereinander auf die andere Seite. Drumherum wurden die Hirten mit ihren Schafen verteilt. Beinahe wie eine Pufferzone, die das unantastbare Zentrum vom profanen Rest trennt.

Man nennt sie „Santons“

Heute weiß ich, dass es sich bei den Figuren um sogenannte „Santons“ aus der Provence handelt. Der Name kommt aus dem Provenzialischen und bedeutet „kleine Heilige“. Seit 1803 findet in Marseille im alten Hafen jedes Jahr von Mitte November bis Ende Januar ein Markt statt, auf dem über 30 sogenannte Santonniers ihre wundervollen Figuren feilbieten. Und tatsächlich ist jede Charaktere mit ihrer ganz eigenen Geschichte verknüpft, so wie ich es mir schon als Kind gedacht hatte. Ich habe im Internet eine schöne Seite darüber gefunden:

— Website über Santon-Charakteren

Und natürlich hat Tante Wiki auch etwas zu diesem Thema zu sagen:

—  Wikipedia über Santons

Lanzarote: Weihnachts-Krippen auf den Marktplätzen

Wie habe ich gestaunt, als ich zum ersten Mal die Weihnachtszeit auf Lanzarote verbrachte und zu meiner großen Freude in nahezu jedem Ort eine Keramik-Krippenszene auf dem Marktplatz vorfand. Die Figuren sind dort natürlich nicht so klein wie unsere Wohnzimmer-Version, sondern etwa 2-3 Fäuste hoch, aber sie ähneln meinen geliebten Santons wirklich sehr. Meist befinden sie sich auf einem etwas erhöhter Platz und sind leicht umzäunt, so dass die Szene geschützt ist, aber man alles gut sehen kann.

Gestaltung der Szene

Besonders liebevoll wird die zugehörige Landschaft gestaltet. Die Figuren stehen nicht etwa einfach auf einer ebenen Fläche, sondern es sind Hügel und Felsen kunstvoll nachgebaut. Sträucher und Bäume sind entweder auch aus Ton gefertigt oder sie werden tatsächlich durch kleine Pflanzen dargestellt.

Krippen-Wettbewerb

Die Dörfer der Insel versuchen sich gegenseitig mit ihren Darstellungen zu übertreffen und jedes Jahr sehen ihre Kunstwerke etwas anders aus. Es findet häufig tatsächlich ein Wettbewerb statt und manchmal fahren sogar spezielle Shuttle-Busse von Ort zu Ort, damit man die Krippen besser miteinander vergleichen kann. Auch wenn ich den Rummel in diesem Zusammenhang etwas befremdlich und eigentlich unpassend finde, so sind die Krippen-Szenen an und für sich wirklich bezaubernd.

Wenn du mehr über die Weihnachts- und Neujahrs-Traditionen auf Lanzarote erfahren möchtest, schau dir mal diese Seite an: 

— Lanzarote Experience

Weihnachts-Schnitzereien in den Alpen

Ganz anders sehen die Figuren im Alpenraum aus. Früher wurden sie dort in allen Größen aus Holz geschnitzt, manche so klein, dass sie in eine Streichholzschachtel passen, andere sogar lebensgroß. Nach wie vor findet man in den meisten Touristen-Orten Läden mit den unterschiedlichsten Schnitzereien, ab Dezember natürlich hauptsächlich auf die Weihnachtsgeschichte bezogen, also Krippen und Engel.

Scheinbares Aussterben der Tradition

Leider gibt es inzwischen kaum noch Handwerker, die tatsächlich von Hand schnitzen, höchstens für den privaten Gebrauch. Die Figuren in den Geschäften sind nahezu ausnahmslos maschinell gefertigt, einige werden sogar importiert. Auch wenn sie dennoch sehr hübsch aussehen, macht es mich sehr traurig zu sehen, wie ein altes Handwerk scheinbar langsam ausstirbt. Aber eben nur scheinbar, denn zum Glück finden sich immer wieder Menschen, die diese alte Tradition weiterleben lassen, die Freude am Schnitzen haben und sich nicht davon abbringen lassen, auch wenn man heute nicht mehr davon leben kann.

Die Salatschüssel-Version meines Vaters

Zum Schluss möchte ich noch eine ganz einfache, aber sehr besondere Krippe vorstellen, die mein Vater für meine Großmutter angefertigt hat. Sie besteht aus vier gläsernen Salatschüsseln, die man ineinander stellen kann. Er hat sie mit der Öffnung nach unten auf den Tisch gestellt, wie durchsichtige Hügel. Auf die Kleinste hat er mit transparenter Glasmalfarbe das Jesuskind in der Krippe gemalt. Dann hat er die nächstgroße Schüssel darüber gestülpt und auf diese Maria und Josef gemalt. Auf die dritte Schüssel – über den beiden anderen – kamen Ochs und Esel. Und auf die letzte Ebene die drei Könige, eine Palme und der Stern.

Die besondere Wirkung der Transparenz

Dadurch, dass die Farben transparent sind und die Schalen übereinander liegen, vermischen sich die Darstellungen auf eine ganz eigene Art und Weise. Besonders geheimnisvoll sieht es aus, wenn dahinter Kerzen stehen. Dann scheinen sich die Bilder vor dem flackernden Licht zu bewegen und lebendig zu werden.
Diesen Effekt kennen wir auch von den alten Kirchenfenstern, die besonders im Licht der untergehenden Sonne zu erwachen scheinen. Und da ich leider kein Foto von den Salatschüsseln habe, schließe ich diesen Artikel mit dem Bild eines besonders schönen Fensters ab.

Ich wünsche dir besinnliche Festtage
mit warmen Rückblicken,
neugierigem Vorwärts-Schauen
und genüsslichem Hier und Jetzt

 

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Maria

    Fröhliche Weihnachten! Danke für den schönen Artikel liebe Anni.

    1. Anni

      Gerne. Euch auch schöne Fest-Tage. 🙂

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