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Insel? Welche Insel denn?

Über die Berge habe ich ja nun schon ziemlich viel geredet (siehe Artikel „Darf eine Hessin jodeln“), insbesondere über die Seiser Alm. Aber es soll ja in diesem Blog auch um das Meer gehen und um eine Insel. Nicht um irgendeine X-beliebige, sondern um eine ganz spezielle:
LANZAROTE
Schon in meiner Kindheit verbrachte ich recht viel Zeit dort. Freunde meiner Eltern besaßen abgelegene Häuser im Süden der Insel, weit weg von jeglicher Zivilisation. So erschien es mir zumindest. Da wir uns natürlich meistens dort aufhielten, wenn wir mal wieder ans Meer wollten, kam ich mit der touristischen Seite Lanzarotes so gut wie nie in Kontakt. Für mich war es damals eine Welt der grenzenlosen Weite. Menschenleer und unberührt kam es mir in meiner kindlichen Naivität vor. Daß die Ziegenherde, die ich manchmal am Horizont sah, zu einem Hof gehören könnte, kam mir gar nicht in den Sinn. Sie erschienen mir wie Antilopen in Afrika.

Aber vielleicht sollte ich die Insel erstmal vorstellen. Sicher weiß du, daß sie eine der Kanaren ist, neben Teneriffa, La Gomera, Gran Canaria, La Palma, El Hierro und den ganz kleinen: Graciosa, Alegranza und Lobos. Politisch gesehen gehören die Inseln zu Spanien, klar. Die Sprache allerdings ähnelt eher dem Spanisch, das auf Cuba gesprochen wird und es gibt jede Menge Worte, die man im „normalen“ Spanisch-Wörterbuch nicht findet. Vielleicht liegt das an der Nähe zu Afrika, wer weiß. Denn bis nach Marocco ist es nur ein Katzensprung, bis nach Madrid dagegen ist es mehr als doppelt so weit und es liegt noch eine Meeres-Enge dazwischen, die Straße von Gibraltar.

Lanzarote unterscheidet sich sehr von den anderen kanarischen Inseln. Wenn dir ein entspannter Strand-Urlaub mit weißem Sand vorschwebt, dann wäre Lanzarote nicht meine erste Empfehlung. Magst du gerne südländische Wäldchen, Bananen-Plantagen und exotische Blumen, dann empfehle ich dir eher La Gomera, La Palma oder Teneriffa. Lanzarote hat andere Stärken. Hier ist es irgendwie rauher. Das ist nicht jedermanns Sache. Aber hier kannst du, wenn du einen Sinn dafür hast, besondere Dinge entdecken. Zum Beispiel gibt es, neben einigen ganz „normalen“ weißen Stränden, auch einen schwarzen Strand. Mit kleinen grün-glitzernden Edelstein-Körnchen versetzt (Olivin), die in der Feuchtigkeit geheimnisvoll glitzern. Nun ja, diese Strände sind natürlich von Touristen bevölkert. Es hat sich wohl rumgesprochen. Obwohl es nicht gerade angenehm ist, barfuß über die glühend-heiße Fläche zu gehen, wenn die Sonne scheint. Dennoch ist der Anblick faszinierend.

Aber ich möchte nicht über die Orte und Routen reden, die du in jedem Werbe-Heftchen findest und die jeder brave Tourist abarbeitet. Natürlich ist es spannend, auf einem Kamel durch die schwarz-grau-braune Fels- und Steppen-Landschaft zu reiten. Und auch die riesige Fontäne, die zischend emporschnellt, wenn man einen Eimer Wasser in eine bestimmte Fels-Spalte kippt, möchte man wenigstens einmal gesehen haben. Aber einmal reicht dann auch, finde ich. Und dann?

Was hat die Insel, daß Menschen wie ich und viele andere immer wieder kommen? Vielleicht die omni-präsente Vulkanlandschaft und ihre sowohl schroffe als auch sanft-anmutige Ästhetik. Sie erinnert ständig daran, daß es irgendwo unter unseren Füßen eine rotglühende, brodelnde Welt aus flüssigem Gestein gibt, die jederzeit die Oberfläche durchbrechen kann. Natürlich denkt man hier nicht pausenlos an glühende Lava, aber irgendwo im Hinterkopf ist dieses Bild immer aktiv und sorgt für eine permanente innere Anspannung. Eine Art unbewusster Dauerstress. Wenn man nur zwei Wochen Urlaub macht, dann fühlt sich das unter Umständen sehr ermüdend an, so daß man es der Einfachheit halber als Entspannung interpretieren könnte. Oder aber man fühlt sich extrem energie-geladen. Es kommt auf den Stress-Typ an. Der eine erstarrt (fühlt sich also müde), der andere will weglaufen (bekommt also mehr Energie als sonst vom Körper zur Verfügung gestellt). So oder so ist man gezwungen irgendwie mit dieser eigenen inneren Veränderung umzugehen. Das ist im Urlaub ja nicht weiter schwer, da man sich meist permanent von sich selber ablenkt. Schwierig wird es erst, wenn der Aufenthalt auf der Insel länger wird und man plötzlich wieder mit sich selber konfrontiert ist.

Ich glaube, daß Lanzarote diese beschriebene Auswirkung stärker hat als die anderen Kanaren, obwohl es dort ja auch Vulkane gibt. Hier zieht sich das optische „Magma-Feeling“ durch und wird nicht durch kleine grüne Wäldchen unterbrochen. Daß diese besondere Landschaft nichtdestotrotz durchaus sehr abwechslungsreich ist, das kann nicht jeder sehen. Dafür bracht man ein Gespür, vielleicht einen Künstler-Blick. Es wundert mich nicht, daß es viele Urlauber gibt, die nie wieder kommen. Es ist eben kein Bade-Urlaubsort. Oder zumindest nicht nur. (wobei es durchaus auch nette Strände gibt)
Vielleicht ist die Insel deshalb nicht für jeden geeignet, weil sie anscheinend etwas mit den Menschen macht. Ich habe beobachten können, wie Personen, die nach Lanzarote kamen und länger als ein Jahr blieben, dann plötzlich fluchtartig die Insel verließen. Menschen verändern sich hier. Ich habe das Gefühl, als würde die Insel den wahren Kern einer Persönlichkeit aus dem wohl bewachten Hinterzimmerchen nach vorne auf die Bühne ziehen. Und zwar sowohl gute als auch schwierige Seiten. Das kann durchaus unangenehm sein. Damit kann oder will nicht jeder umgehen. Es erfordert entweder die Fähigkeit sich selber beobachten zu können und ein großes Maß an kindlicher Neugierde oder Ignoranz und Selbst-Verliebtheit. Vielleicht gibt es noch andere Möglichkeiten. Sicher ist jedenfalls, daß man bei längerem Insel-Aufenthalt eine Haltung finden muß, sich selber und der Welt gegenüber. Eine neue Haltung, denn die alte funktioniert nicht mehr. Sie scheint irgendwie dahin zu schmelzen und keinen Halt mehr zu geben. Wie gesagt: das ist eine persönliche Beobachtung und Interpretation. Ob das so stimmt, das sei dahin gestellt.

Man hört auch oft die These, daß Lanzarote irgendwie mit dem versunkenen Atlantis im Zusammenhang stünde. Tatsache ist auf jeden Fall, daß es ein Ort der Urkräfte ist. Durch die Vulkane. Durch das besondere Licht, das viele Künstler anlockt. Durch den oft stürmischen und bedrängenden Wind, der häufig Sand aus der Wüste Sahara mit sich trägt. Und natürlich durch das Meer.

Ich hoffe, ich habe dich nicht abgeschreckt. Versteh mich bitte nicht falsch: Lanzarote ist ein wundervoller Ort. Mit Sicherheit werde ich noch mehr Artikel schreiben, die dir möglicherweise Gesichter der Insel zeigen, die du nicht in jedem Reiseführer findest. Oder vielleicht möchtest du zwischendurch mal von einer anderen Person die Sichtweise lesen

Witzigerweise bin ich auf der Seiser Alm, als ich gerade eine Jodel-Pause machte, mit einem Wanderer ins Gespräch gekommen, der ein absoluter Lanzarote-fan ist. Aus purer Begeisterung hat er einen Blog über die Insel ins Leben gerufen. Vielleicht hast du Lust dort mal hinein zu schauen?

Hier der link zu seinem Lanzarote-Blog:         https://www.lanza-loscho.de/

Und wie bin ICH wieder hier gelandet, nachdem ich diesen Ort meiner Kindheit so lange vergessen hatte? Nun ja, durch meine Straßenmusik bin ich vor etwa elf Jahren auf die Märkte der Insel gekommen um dort zu singen und zu spielen. Und seitdem hat mich Lanzarote nicht wieder los gelassen. Auch wenn meine „Basis-Station“ nach wie vor in Deutschland liegt, findet man mich mindestens genauso häufig auf Lanzarote wie auf der Seiser Alm.

                                               Zwischen Insel und Alpen  –  Jodelhippie.

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