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Mio, der Bodyguard

Seit fast 11 Jahren sind wir nun schon ein team und passen gegenseitig aufeinander auf: Bardino-Mix Mio und Menschenkind Anni.

Labrador Lima war die Vorgängerin

Eigentlich wollte ich nie mehr einen Hund haben. 17 Jahre lang hatte ich die blonde Labrador-Dame Lima an meiner Seite und nachdem sie gestorben war, glaubte ich, daß kein anderer Hund je ihren Platz einnehmen könnte. Außerdem genoss ich es, wieder unabhängig und frei reisen zu können, was in den letzten Jahren mit Lima nicht möglich war. Aber das ist eine andere Geschichte.

ohne Hund nach Lanzarote

Nach einer angemessenen Trauerzeit begann mit meiner neuen Freiheit mein Leben als herumreisende Straßenmusikerin. Etwa ein Jahr nach Limas Tod landete ich mit meiner Mini-Gitarre auf Lanzarote. In Deutschland hatte ein feucht-kaltes November-Wetter Einzug gehalten und ich hatte einen günstigen Flug auf die Insel erwischt, die ich zwar gut aus meiner Kindheit kannte (siehe Artikel: “ Insel? Welche Insel denn?“), jedoch seit fast zwanzig Jahren nicht mehr betreten hatte.

 

Straßenmusik auf den Märkten war schwierig

Ich wollte versuchen, auf den Touristen-Märkten mit meiner Musik meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Weil ich nicht wusste, wie gut es laufen würde, hatte ich keinen Rückflug gebucht. Um ehrlich zu sein: Es lief miserabel. Für alles und jedes braucht man eine offizielle Genehmigung, die man natürlich am einfachsten über Beziehungen oder mittels Bestechung bekommt. Beides keine Optionen für mich.

Welpen unterm Wohnwagen

Aber nun zurück zu Mio s Geschichte: Durch Zufall wurde ich auf Lanzarote Zeugin davon, daß der zwölfköpfige Wurf einer Bardino-Hündin ertränkt werden sollte. Das ist auf der Insel leider keine Seltenheit, aber das wusste ich damals noch nicht. Ich kannte Adrenalina, die Bardino-Hündin, persönlich und hatte mich schon über ihr unförmiges Aussehen gewundert. Als mir eines Tages auffiel, daß sie plötzlich schlank und rank war und ich fragend gestikulierend auf ihren Bauch zeigte, wurde ich zu einem brachliegenden Wohnwagen geführt, unter dem Adrenalina sofort verschwand. Einen Wimpernschlag später hörte ich ein herzerweichendes Schnuffeln und Rascheln, untermalt von leisen Quietsch- und Schmatz-Geräuschen. Jetzt verstand ich. ………

Rettung der Kleinen…

Natürlich konnte ich den Mund nicht halten und stellte mich quer, als ich davon erfuhr, daß die Welpen ertränkt werden sollten. Mir war klar, daß es mich eigentlich nichts anging, aber ich konnte nicht anders. Damals waren meine Spanisch-Kenntnisse noch recht rudimentär. Ich vermute jedoch, daß mein bühnenreifer pantomimischer Auftritt meine innere Haltung sehr deutlich zum Ausdruck gebracht hat. Jedenfalls bekam ich tatsächlich das Versprechen, daß die kleinen Racker nicht umgebracht werden.

…aber nur, wenn ICH mich drum kümmere

Allerdings mit einer kleinen Auflage: ICH sollte mich um ihre Aufzucht und um ihre spätere Vermittlung kümmern. Ohjeh, da hatte ich mir wieder mal was eingebrockt! Wie gut, daß ich nur ein one-way-ticket gebucht hatte. Ohne zu zögern nahm ich die Aufgabe an, nichts ahnend, daß die nächsten zwei Monate zu den glücklichsten in meinem Leben gehören sollten. Wenn du dir die Fotos anschaust, dann wirst du dir gut vorstellen können, daß ich den ganzen Tag ein amüsiertes und glückliches Lächeln im Gesicht trug.

Ich wollte keinen neuen Hund

Weil ich wusste, daß ein Hund mir meine Reise-Freiheit wieder sehr reduzieren würde, hatte ich mich von Anfang an dagegen entschieden, einen der kleinen Herzensbrecher zu behalten und wollte alle an liebevolle Menschen vermitteln. Es war nicht einfach dem unglaublichen Charme und der übersprudelnden Lebenslust dieser bezaubernden Wesen zu widerstehen. Ich hatte jeden einzelnen ins Herz geschlossen und mehr als einmal geriet mein Entschluss ins Wanken. Und eines Tages schaffte Mio es, mich umzustimmen:

Mio folgt meinem Gitarren-Klang

Wie so oft hatte ich mich in den Schatten einer Palme zum Gitarre üben zurückgezogen. Der Baum stand an einem steilen Hang in der Nähe des Hauses und ich konnte von dort aus die Welpen sehen, die fröhlich um das kleine Gebäude herum tollten. Gegen Mittag wurde es recht heiß und die kleinen Racker zogen sich zum schlafen zurück ins Haus oder ins Gebüsch. Nur einer stand eine Weile alleine in der prallen Sonne und schaute sich suchend um. Dadurch, daß ich leise Gitarre spielte, entdeckte er mich recht schnell unter meiner Palme. Er schaute lange zum Haus zurück und ich rechnete damit, daß er sich gemütlich für eine Siesta zu den anderen Rabauken kuscheln würde. Aber statt dessen machte er sich mit tapsigen Schritten auf den Weg in meine Richtung. Nun ja, Weg ist vielleicht zuviel gesagt. Es gab noch nicht einmal einen Trampelpfad. Er musste sich durch dorniges Gestrüpp und Kakteen-Barrieren kämpfen und der Hang war wirklich recht steil. Aber er gab nicht auf und machte nicht die kleinste Pause. Damit er die Orientierung nicht verlor spielte ich weiter auf der Gitarre. Insgesamt dauerte es bestimmt eine halbe Stunde, bis er endlich glücklich an meinen Füßen herum schnüffelte.

Mio wendet das Blatt

Ich hatte inzwischen die Gitarre beiseitegelegt und sprach ihn zärtlich an: „Ja Hallo, was machst du denn hier?“ Mit leuchtenden Augen wedelte der ganze Hundekörper so überschwenglich und freudig, daß ich dachte, er würde gleich wieder den Hang herunter kullern. Schnell schnappte ich ihn mir und legte das sonnenwarme Fellknäul auf meinen Schoß. Er seufzte noch einmal tief und schlief sofort seelig ein. Auch ich machte es mir bequem und beobachtete noch eine Weile die tapsigen, viel zu großen Pfoten, die sich im Schlaf bewegten, als würde er immer noch zu mir hinauf klettern. Als ich später aufwachte, schnarchte er immer noch wohlig vor sich hin.

Von da an gehörte er zu mir

Ich glaube , viel mehr brauche ich nicht zu erklären. Dieses kleine Wesen war natürlich Mio und ich habe es noch nie bereut, daß ich meinen Entschluss über den Haufen geworfen hatte und er von diesem Tag an nicht mehr von meiner Seite wich.

Inzwischen ist Mio ein gemütlicher alter Herr, aber in meinen Augen nach wie vor eine echte Schönheit mit einem ganz besonderem Charakter. Ich fühle mich geehrt, daß er mich damals ausgewählt hat. 🙂

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Inken Henkel

    Liebe Anni,

    wunderbar und anschaulich beschrieben, deine Liebesgeschichte mit Mio! Ich sehe die Bilder vor meinem geistigen Auge entstehen, mit Ton und in allen Farben. So schön, solche Ausschnitte aus deinem Leben zu erfahren!

    Es grüßt herzlich
    Dein Cousinchen Inken

  2. Ilona

    Lieb Anni die Geschichte hat mich sehr bewegt.
    Du bist eine große Tierfreundin. Ich bin’s auch und die Tiere sind immer sehr dankbar und treu.
    Mit dem Spruch, Seit ich die Menschen kenne, lieb ich die Tiere.
    Wir haben Katzen und halten Thüringer Waldzeigen.
    Die geben eine köstliche Milch, welche zu meiner Gesundheit beiträgt.
    Meine älteste Ziege heißt Sara und ist schon 11 Jahre.
    Ich wünsche Dir eine schöne Zeit und freue mich auf Deinen nächsten Beitrag.
    Herzliche Grüße Ilona

    1. Anni

      Hallo Ilona,
      Danke für die lieben Worte. Das klingt ja toll. Ziegen hätte ich auch gerne. Aber dann ist es mit der Freiheit ganz aus. Auf die Alm zum Jodeln zu kommen wäre mit Ziegen wohl kaum noch möglich. Oder ich nehme sie mit? Ich bin mit einer Zwergziege groß geworden. Vielleicht schreibe ich darüber auch mal. LiebGruß :_)

  3. Margit

    Servus Anni,

    Deine Geschichte hat mich so bewegt, dass ich ein Tränchen verloren habe. Ich kann Deine Gefühle und auch Handeln sehr gut verstehe, hätte es nicht anders gemacht. Ich hatte früher auch einige Tiere vor dem Tod gerettet und jedes hat mich dankbar ein Stück des Weges begleitet. Aktuell bin ich am überlegen, ob einen Hund aus dem Tierschutz zu mir nehme, aber dann bin ich wieder eingeschränkt und mein Mann ist nicht begeistert.
    Bist eine Tolle Frau, hast das Herz am richtigen Fleck und nimmst Dein Leben selbst in die Hand, davor habe ich großen Respekt. Du verlässt immer wieder Deine Komfortzone und suchst nach neuen Abenteuern, für den Mut beneide ich Dich!
    Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute, bleib gesund und lass Recht bald wieder von Dir hören.
    Alles Liebe, Margit.

    1. Anni

      Hallo Margit, wie schön, dass Mio s Geschichte dich so stark bewegt. Keine Sorge, es werden noch viiiiiele Artikel folgen. Über ganz unterschiedliche Themen. 🙂

  4. Inge Auer

    Guten Morgen, liebe Anni,
    was für eine wunderbare, bewegende Geschichte. Du kannst stolz sein auf deinen Mio, der so eine treue Seele ist.
    Weißt du etwas von seinen Geschwistern? Hoffentlich sind sie alle glücklich, und die Besitzer auch.
    Alles Liebe und Gute und schreibe weiter!
    Inge

    1. Anni

      Hallo Inge,
      es freut mich sehr, dass dir der Artikel gefällt. Mio s Geschwister konnte ich alle vermitteln. Und ich hoffe sehr, dass die Besitzer mit ihnen genau so glücklich sind wie ich mit Mio.
      🙂
      LiebGruß

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