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Kennst du die Schlafblume?

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Heute möchte ich dir eine Pflanze vorstellen, die du bestimmt schon tausendmal gesehen hast. Möglicherweise hast du dich noch nie näher mit ihr auseinander gesetzt, weil sie so selbstverständlich zu unserem Leben gehört und jeden Sommer auf den Feldern auftaucht. Zumindest war das früher so. Die Rede ist vom Mohn

In meiner Kindheit hat er die Felder rot gesprenkelt, mit blauen Kornblumen dazwischen. Den deutschen Namen „Klatschmohn“ erhielt er, weil Wind und Regen seine Blüten aneinender klatschen lässt. Heute findet man kaum noch Blumen zwischen dem Getreide, weil überall gespritzt wird. Sehr traurig, aber das ist ein anderes Thema.

Der Name Mohn kommt aus dem mittelhochdeutschen „Mahn“, das sich aus dem germanischen „Magan“ entwickelt hat. Der lateinische Gattungsname „Papaver“ kommt von „papare“, was übersetzt „essen“ bedeutet. Nicht etwa weil die Pflanze damals gegessen wurde, sondern weil die alten Römer ihren Kindern zum Einschlafen Mohnsaft an den Brei rührten.
Mohn wurde schon vor über 5.000 Jahren angebaut und auch heute noch wird er für die Pharma-Industrie und wegen der essbaren Samen kultiviert. Natürlich gibt es in kleinerem Maße auch die Züchtungen in den Gärtnereien für den dekorativen Gebrauch im Garten.

Es gibt ungefähr 120 verschieden Mohnsorten und diese sehen sehr verschieden aus. Das Farbspektrum reicht von Rot und Rosa über weiß bis zu lila und orange. Manche Arten sind nur einjährig, aber es gibt auch zwei- und mehr-jährige Pflanzen. Allen gemein ist der gelbliche oder weiße Milchsaft, der giftig ist und beim Schlafmohn zu Opium verarbeitet werden kann.
Die Früchte des Mohns sehen aus wie ein rundliches Gefäß mit einem hübschen sternförmigen Deckel. Direkt unterhalb des Deckels befinden sich rings herum Öffnungen. Wenn die Kapseln reif sind und die Farbe von Grün zu einem hellen, holzigen Braun übergegangen ist, lässt der Wind aus ihnen die kleinen schwarzen Samen rieseln, wie aus einem Salzstreuer.

Außer dem Klatschmohn (Papaver rhoeas) ist natürlich der Schlafmohn (Papaver somniferum) sehr bekannt. Seit Jahrtausenden wurde und wird er im östlichern Mittelmeerraum kultiviert, sowohl wegen der essbaren Samen als auch zum Drogengewinn . Die unreifen Kapseln werden angeritzt um den weißen Milchsaft austreten zu lassen, der dann getrocknet eingesammelt wird. Er enthält verschiedene Alkaloide, unter anderem Morphin und Codein. Diese sind in anderen Mohnsorten, zum Beispiel im Klatschmohn, kaum oder gar nicht zu finden, nur im Schlafmohn. Die reifen Kapseln liefern die bekannten schwarzen Samenkörner, die traditionell zum Backen und Kochen verwendet werden.

Als Mohn in das Betäubungsmittelgesetz einbezogen wurde brach der Anbau jäh ab. Heute ist schon eine einzige Pflanze des Schlafmohns im Garten strafbar und der größere Anbau erfordert die Genehmigung der Bundesopiumstelle. Die wirkstoffreiche Sorte wird nur unter extremen Auflagen und guter Bewachung bewilligt. Es gibt aber auch drei morphinarme (< 0,02 % Morphin) Schlafmohnsorten, die mit Bewilligung angebaut werden können. Sonst hätten wir keine Mohnsamen zum Backen.

Eine gute Freundin von mir, die schon viel herum gekommen ist und mich immer wieder mit ihrem außergewöhnlichen Wissen erstaunt, verriet mir vor ein paar Jahren, woran man optisch erkennt, ob eine Mohnpflanze einen hohen Morphin- und Codein-Gehalt hat. Man muß sich den Stengel der Blume anschauen! Ist er stark behaart, so ist das ein Indiz dafür, daß es sich sozusagen um eine „harmlose“ Pflanze handelt. Ist der Stiel jedoch glatt und weist kaum Häärchen auf, so ist wahrscheinlich der Morphin- und Codein-Gehalt recht hoch. Die Erklärung ist verblüffend einfach: Die Pflanze schützt sich durch ihre Behaarung vor kleinen krabbelnden Tierchen. Je mehr Haare, desto schwieriger gelangen sie an die Blüten oder an die Frucht, die ja wegen der Vermehrung einen existentiellen Wert haben. Wenn aber der Morphin-Gehalt hoch ist, dann ist dieser Schutz überflüssig. Denn sobald ein kleines Tierchen irgendwo an der Pflanze herum knabbert, fällt es völlig bedröhnt zu Boden. Ob diese Information stimmt weiß ich nicht. Ich konnte keine Bestätigung im Internet finden. Aber mir gefällt die Theorie. Und falls ich mal einen kleinen Käfer im Zick-Zack durch die Welt taumeln sehe, dann werde ich schauen, ob eine haarlose Mohnblume in der Nähe ist.

Auf Lanzarote blüht der wilde Mohn ab April. Manchmal etwas früher, manchmal etwas später, je nach Wetterlage. In einem guten Jahr mit ausreichendem Frühjahrs-Regen (wie z.B. 2021) verwandeln sich für etwa drei Wochen die Hänge im Norden der Insel in ein leuchtend buntes Blumenmeer, das im Wind wogend seine Farben changieren lässt. Oft sind große Flächen mit hüfthohem zart-vielett blühenden Mohnpflanzen bedeckt, die sich wunderschön von den kleinen gelben Blüten des wilden Senfs abheben. Aber auch eine kleinere knallrote Mohnsorte wächst vereinzelt dazwischen. Besonders in den frühen Morgenstunden haben die durchschimmernden zarten Blütenblätter ihren ganz eigenen Zauber.
Ich habe mich oft vor die prallen Knospen gesetzt und darauf gewartet, daß sie sich mit der im Meer aufgehenden Sonne vor meinen staunenden Augen öffnen. Wie ein schüpfender Falter, der seine ganze Kraft braucht um die schützenden Hüllen abzustreifen und die zerknitterten zarten Flügel zu glätten. Die Schönheit verschlägt mir jedesmal wieder den Atem.

In Deutschland fahre ich zur Mohnblüte oft nach Germerode, auf den Meissner, in den Geo-Naturpark Frau-Holle-Land. Dort werden schon seit vielen Jahren riesige Mohnfelder angepflanzt und auf weitläufig angelegten Wanderwegen kannst du den ganzen Tag damit verbringen dich an dem Farbenrausch der Blüten zu erfreuen. Allerdings waren letztes Jahr (2021) nur die offiziellen großen Wege geöffnet und es wurde empfohlen den Mohn-Urlaubstag auf dieses Jahr zu verschieben.

Auf dieser Seite kannst du dich genau über den aktuellen Stand der Dinge informieren und bekommst einen kleinen Vorgeschmack:

Und hier kommst du direkt zur Mohnblüten-Bildergalerie Germerode:

Für den Fall, daß du tatsächlich planst, in die schöne Meißner-Gegend, ins Frau-Holle-Land, zu fahren, möchte ich dir einen absoluten Geheimtip verraten:  

den Besenwirt in Vierbach

Eigentlich ist Harry, der Betreiber, Keramiker und seine Töpfer-Werke kannst du dort auch bestaunen und erwerben. Aber darum soll es hier nicht gehen. Harry ist ein begnadeter Koch und lebt seine Berufung dort, in einem romantischen alten Bauernhaus, aus. Wenn ich mich richtig kulinarisch verwöhnen lassen möchte, dann lasse ich mich dorthin einladen. Es ist nur Platz für ganz wenig Leute. Harry kocht sozusagen persönlich für dich. Mit viel Liebe und Kreativität. 

Du sitzt auf einer überdachten kleinen Veranda, direkt vor der offenen Küchentür und hörst Harry im Hintergrund leise hantieren. Das Umfeld hat großen ländlichen Charme. Man merkt überall an den Details, daß der Hausherr ein Künstler ist. Aber genug geschwärmt. Vielleicht widme ich dem Besenwirt einmal einen Extra-Artikel, mit vielen Fotos. 

Hier kommt aber noch das Wichtigste: seine Telefon-Nummer. Denn es ist unbedingt ratsam, sich vor einem Besuch anzukündigen. 

Die website von Harry, dem Besenwirt in Vierbach:

Seine Telefon-Nummer:        +49 (0) 5651 99 29 12 

Wenn du zur Mohnblüte aber nicht nach Germerode kommen kannst, dann sei nicht traurig. Nächstes Jahr wird der Mohn wieder blühen. Bis dahin kannst du dich ja zuhause mit einer selbst gezauberten Mohn-Leckerei verwöhnen. Vielleicht hast du noch ein wenig Mohnsamen im Haus, der von der Weihnachtsbäckerei übrig geblieben ist (oder du hast dir in Germerode frischen Mohn gekauft, nachdem du durch das Blumenmeer geschlendert bist) Deshalb verrate ich dir hier noch einen link, wo du 20 wundervolle Mohn-Rezepte findest. Viel Spaß beim Ausprobieren und lass es dir schmecken.

Hier geht es zur „springlane“-Seite, mit Mohn-Rezepten:

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Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Inge Auer

    Hallo, liebe Anni, deine Berichte sind so schön beschrieben, so bildlich, einfach wunderbar. Ich freue mich, dass ich dich hier gefunden habe und dich so ein wenig begleiten darf. Alles Liebe und Gute weiterhin.

    1. Anni

      Danke, liebe Inge, das gibt mir Freude und Energie zum weiter schreiben. 🙂
      Ein freundlicher und anerkennender Kommentar ist wie Benzin in meinem Kreativ-Tank. 🙂

  2. Conny

    liebe Anni , sehr schön geschrieben ueber die Mohnblueten ! und auch tolle Photos dazu !
    Ich war eben herrlich mitten in der Natur !

    1. Anni

      Hallo Conny, vielen Dank. Freut mich, daß dir der Artikel gefällt.

  3. Inken

    Liebe Anni, der Mohn-Beitrag ist toll! Du hast doch mal eine Mini-Fotoserie gemacht mit einer koketten Mohn-Dame, eine kleine Bildergeschichte, die ich bezaubernd fand. Würde sie hier nicht dazupassen?
    Dein Cousinchen

    1. Anni

      Hallo Inken, freut mich, daß dir der Artikel gefällt. Ja, du hast Recht: die kleine Kurzgeschichte hätte gut rein gepasst. Aber ich wollte nicht, daß es noch länger wird. Der Artikel ist ohnehin schon recht lang. Lieber schreibe ich noch einen neuen. Vielleicht zum Thema Natur-Wesen.
      🙂

  4. Tobias Emsel

    Ein schöner Artikel mit wunderbaren Bildern!

    1. Anni

      Hallo Herr Emsel,
      vielen Dank. Das freut mich.
      🙂

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