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Duft liegt in der Luft…

Was Gerüche mit uns machen

Etwas (oder jemand) riecht gut und zieht dich an. Oder etwas stinkt und stößt dich ab. Soweit ist alles klar. Aber was machen Gerüche noch so mit uns? Wie kann ich sie selber nutzen und wie kann ich durchschauen und verhindern, dass ich durch sie ausgenutzt und manipuliert werde? Bedenke, dass es ja auch Gerüche gibt, die man gar nicht wahrnimmt, die aber dennoch im Hirn ankommen und dort etwas auslösen. Oder dass angenehme Gerüche benutzt werden um weniger angenehme zu überdecken. „Ist doch prima“, denkst du? Das sehe ich anders. „Schlechter“ Geruch bedeutet normalerweise, dass etwas schädlich, ungesund oder gar tödlich für uns ist. Er soll uns davor schützen, einer Gefahr zu nahe zu kommen oder etwas Giftiges zu essen. Er macht also Sinn.

Wenn du sauer bist, riecht man das

Dein Eigengeruch, den du selber kaum oder gar nicht wahrnimmst, verrät deinem Gegenüber, ob du gerade entspannt oder eher agressiv bist. Nicht umsonst sagt man „ich bin sauer“, wenn man wütend ist, denn die Ausdünstungen und damit auch der Geruch befinden sich dann tatsächlich im sauren ph-Bereich. Dieser Geruch löst beim Anderen automatisch uralte Instinkte aus. Je nachdem was für ein Typ dieser ist und wie es ihm gerade geht wird entweder der Impuls zur Flucht oder zum Angriff ausgelöst. Denn der Geruch, auch wenn er vielleicht durch Deo oder Parfüm ein Tarnmäntelchen trägt, sagt unserem Unterbewusstsein: „da steht jemand, der zum Kampf bereit ist“.

Deo und Paarfüm sollen undurchschaubar machen

Zu Neanderthaler-Zeiten hat das alles prima funktioniert. Heute gibt es in unserer Kultur kaum noch Menschen, die ihren eigenen Geruch nicht mit Deodorant, Lotion und Parfüm überdecken. Wer will schon, dass sein Chef riecht, dass man sauer ist? Die meisten Menschen möchten emotional undurchschaubar sein. Kleidung und Mimik reicht da oft nicht aus, denn der Geruch verrät viel, ohne dass man es merkt.

Antipathie kann man riechen

Sicher hast du schonmal davon gehört, dass Hunde beissen, wenn sie deine Angst riechen. Das stimmt natürlich nur bedingt, denn nicht alle Hunde beissen. Aber dass sie riechen, wie du gerade drauf bist, das stimmt sehr wohl. Und wie gesagt: Eigentlich haben wir diese Gabe auch. In der deutschen Sprache finden sich viele Formulierungen, die darauf hinweisen. Man sagt zum Beispiel: „Ich kann ihn nicht riechen“, wenn man jemanden nicht mag. Oder „das stinkt mir“, wenn man etwas ablehnt.

kastrierte Hunde riechen „verkehrt“ 

Besonders interessant wird das Thema, wenn es um die Partnerwahl geht. Auch bei Hunden kann man das sehr deutlich beobachten. Mein Bardino-Rüde Mio (siehe Artikel „Mio, der bodyguard“) wurde in jungen Jahren kastriert. Unter anderem hat das den Hormonhaushalt und damit auch den Eigengeruch verändert. Er riecht für andere Hunde weniger männlich. Dadurch sind die Rüden meist freundlich zu ihm, denn sie nehmen ihn nicht als Konkurrenz wahr. Allerdings führt es leider auch manchmal dazu, dass ein Rüde irrtümlicherweise glaubt, er hätte ein Mädel vor sich und den armen Mio sexuell belästigt. Das wiederum findet Mio nicht so toll und macht das knurrenderweise sehr deutlich. Wenn der Andere auf die eindeutige Abfuhr nicht reagiert, kommt es dann doch zum Streit.

Partnerwahl geht über den Geruch

Bleiben wir bei der Partnerwahl, aber zurück zum Menschen. Ist dir klar, dass du dazu fähig bist zu riechen, ob jemand zu dir passt oder nicht? Ja, gut, ganz so einfach ist es natürlich auch wieder nicht. Denn in deinem Kopf ist zum Beispiel gespeichert, wie deine Mutter damals roch, als sie dich als Baby in ihren Armen hielt. Und es sind jede Menge weitere Gerüche gespeichert, die mit schönen Erinnerungen verknüpft sind. Wenn dich also eine Person anzieht, dann ist es gut möglich, dass der eine oder andere dieser Gerüche an ihr haftet, sei es von Natur aus oder aufgetragen.

Duft kann kann etwas Unwahres vorspiegeln

Ich glaube, dass man sich durchaus in einen Duft verlieben kann (Parfüm, after shave oder body lotion…) oder durch ihn zumindest Interesse an einer Person geweckt wird. Wenn man allerdings Pech hat, dann widerspricht der aufgetragene Duft dem eigentlichen Charakter des Trägers, auf den man es abgesehen hat oder er suggeriert etwas, das nicht vorhanden ist. Viele schüchterne Personen laufen in Duftwolken herum, die Draufgängertum und Sexapeal signalisieren. Kein Wunder, dass die Duft-Branche schon immer lukrativ war. Vielleicht umgeben wir uns allerdings durch diese unsere Duft-Kultur häufig mit Menschen, die eigentlich gar nicht zu uns passen.

Ich suche Fendi !

Dies soll jedoch kein Plädoyer für Duft-Abstinenz sein, ganz im Gegenteil. Nur ein kleiner Anstoss zum Nachdenken. Ich habe auch einen Lieblings-Duft und bin sehr traurig, dass er nicht mehr hergestellt wird: Fendi von Fendi. Die Duft-Industrie hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Vieles gibt es plötzlich nicht mehr, obwohl es sich gut verkauft hat. Das liegt daran, dass bestimmte Zutaten nicht mehr benutzt werden dürfen, bzw nur noch chemisch hergestellt werden, was dann vielleicht doch etwas anders riecht. Die Gesetze sind sehr viel strenger geworden. Das ist auch gut so, denn einige Zutaten werden aus Tieren (z.B. Amber vom Wal) oder seltenen Pflanzen gewonnen. Trotzdem schade, dass es Fendi nicht mehr gibt. Falls du irgendwo noch einen kleinen Rest davon stehen hast, dann sag mir bitte Bescheid!

(nein, ich werde nicht dafür bezahlt, dass ich das schreibe)

Terpene sind ganz besondere Duftstoffe

Ein besonderer Aspekt zum Thema Duft sind die sogenannten Terpene. Das sind natürliche aromatische Pflanzenstoffe, die man in Blumen, Kräutern, Früchten und im Wald findet. Diese Duftstoffe geben Pflanzen ihren typischen Geruch und schützen sie vor Schädlingen. Sie bilden den Hauptbestandteil ätherischer Öle. Ein bekanntes Beispiel ist das nach Zitrone duftende Limonen. Terpene werden medizinisch und kosmetisch eingesetzt, zum Beispiel in der Aromatherapie. Und als natürliches Insektizid. Einige Terpentine haben beruhigende, entzündungshemmende oder schmerzstillende Effekte. Lavendel enthält zum Beispiel  Linalool und Beta-Pinen, die oft in Phytopharmaca enthalten sind, die bei Depressionen eingesetzt werden. Auch Myrcen, Beta-Caryophyllen und Terpinol wirken beruhigend und stress-abbauend und werden zum Beispiel bei Angststörungen eingesetzt. Beruhigende Tees, wie zum Beispiel Lavendel oder Hopfen enthalten solche wirksamen Terpene.

Kamille hat viele Terpene

Ich gebe dir ein Beispiel: Die Kamille erhält ihren sanft-blumigen Duft durch das Terpen A-Bisabolol. Gleichzeitig ist genau dieser Duftstoff das, was gereizte Haut beruhigt und Wundheilung anregt. Ein weiteres Terpen der Kamille ist das Chamazulen, das stark entzündungshemmend wirkt und dem ätherischen Öl der Kamille die tiefblaue Farbe verleiht. Kamille enthält noch weitere Terpene, wie Nerolidol, das holzig und erdig duftet, und Myrcen. Diese beiden wirken vor allem muskelentspannend. Du siehst hier, dass in der Pflanzenwelt Duft und Wirkung eng zusammenhängen.  Ich kenne jemanden, der an einer ihm unbekannten Pflanze kurz riecht und sofort weiß, wofür er sie einsetzen kann !  

Durch Terpene wirken die Cannabis-Sorten unterschiedlich

Für Cannabis-Raucher ist interessant, dass Pflanzen, die Mircen und Linalool enthalten, entspannend wirken. Die Sorten, die Pinen oder Linolen enthalten, können dagegen eher anregende Effekte haben. Diese Wirkungen werden auch therapeutisch eingesetzt.

Enfleurage – Duftöl aus Blütenblättern

Zum Abschluss möchte ich dir noch zeigen, wie du dir selber ein Duft-Öl herstellen kannst. Es ist eine uralte Technik, die auch heute noch angewandt wird: Enfleurage.

Dafür wird ein Fett, das möglichst wenig Eigengeruch hat, benötigt. Zum Beispiel Sheabutter, Kokosöl, Kakaobutter oder Palmöl. Traditional wird auch Rindertalg oder Schweineschmalz benutzt. Diese Fette müssen gereinigt, entsalzt und geruchsneutral sein. Ich persönlich benutze am liebsten Kokosfett, was man im Endprodukt natürlich stark riecht. Daher verwende ich Blüten, die sehr intensiv duften und mit dem Kokosgeruch harmonisieren.

Anleitung für Enfleurage

Das Fett wird leicht erwärmt und flüssig in eine flache Schale gegeben Wenn es abgekühlt und wieder fest ist, werden Blütenblätter auf die Oberfläche gedrückt und dort für maximal 24 Stunden gelassen. Wenn man sie länger drauf lässt, dann kann sich schnell ein etwas moderiger Geruch einschleichen und die ganze Arbeit war umsonst. Die Blätter werden nach dieser Zeit vom Fett herunter gezupft, zum Beispiel mit einer Pinzette, und durch frische Blütenblätter ersetzt. Das Ganze wiederholt man mehrere Male, bis das Fett soviel des Blütenaromas aufgenommen hat, dass man mit dem Geruch zufrieden ist. Ich habe eine ganze Woche durchgehalten. Aber Vorsicht: Wenn du auch nur ein einziges Mal vergisst, die Blüten rechtzeitig abzuzupfen, kann es sein, dass alles verdorben ist. Am Besten erwärmt man das Fett am Ende ganz leicht, so dass es flüssig wird und seiht es durch ein sauberes Tuch, damit keine Rückstände zurück bleiben. Diese können zu unerwünschten Gerüchen führen oder zum Verderben des Fettes.

Levkojen auf Lanzarote

Auf dem Anleitungs-Foto liegen Levkojenblüten in Kokosöl. Eine etwas gewagte Duftkombination, aber mir hat sie gefallen. Wenn die Levkojen im Frühjahr auf Lanzarote blühen, braucht man beim Autofahren nur das Fenster zu öffnen, um durch den intensiven Geruch die Orte zu finden, an denen Levkojen wachsen.

Viele Blüten eignen sich

Besonders gut für eine Enfleurage eignen sich Rosenblätter, da sie schön gross sind und sich leicht wieder vom Fett entfernen lassen. Achte aber darauf, dass du eine wirklich stark duftende Rose verwendest, denn es gibt viele Sorten, die kaum noch nach etwas riechen. Ich träume schon lange davon, eine Lindenblüten-Enfleurage auszuprobieren Aber leider habe ich bis jetzt jedes Jahr den Zeitpunkt verpasst. Mit Flieder geht es mir genauso. Plötzlich, gefühlt von einem Tag zum anderen, ist die Blütezeit vorbei und ich muss wieder ein Jahr warten Aber irgendwann werde ich es mal schaffen. Wahrscheinlich wird es allerdings eine schwierige Aufgabe werden, weil die Blüten so klein sind. Wir werden sehen. Es gibt auch bestimmte Passionsblumen (siehe Foto, eine passiflora quadrangularis), die extrem betörend duften. Die werde ich aber nie für eine Enfleurage pflücken, denn sonst wird sich keine Frucht bilden (Maracuja). Aus dem selben Grund werde ich wohl nie eine Zitronenblüten-Enfleurage herstellen. Es gibt einige Zitronenbaumsorten, die ganz besonders stark duftende Blüten bilden. Ein Freund aus Tunesien hat mir bestätigt, dass in seiner Heimat diese Zitronenblüten für Duftstoffe verwendet werden.

Falls du eine Enfleurage ausprobierst, würde ich mich sehr freuen, wenn du in den Kommentaren darüber berichtest.

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